Es geht um ein inneres Vertrauen, ein inneres Andocken an die Quelle der Lebendigkeit. Eine tiefenökologische Überzeugung ist: Das Netz des Lebens hat Selbstheilungskräfte in ungeahnter Stärke, die aktiviert werden wenn wir uns vertrauensvoll mit unserer Lebendigkeit verbinden.” – “Ein konkretes Beispiel: So viele Menschen interessieren sich für den Anbau von Gemüse und Nahrungsmitteln. Das kommt ja nicht aus einer rationalen Überlegung: „Oh, die Kultur geht hernieder. Jetzt sollte ich mal mit dem Gärtnern anfangen.“ Ich nehme es wirklich so wahr, dass dieser Wunsch aus der Tiefe kommt. Und vor allem kommt er freudvoll, als Lust daher und nicht als schreckliche Bürde. Er hat diese Qualität: Das Lebendige will sich selbst heilen.”


Elisha Koppensteiner

Diplomstudium Biologie & Ökologie in Wien, diverse Ausbildungen in Gesang, Tanz, Schauspiel, Stimmtherapie, Atemtherapie, Workshop-Leiterin und Youtuberin, https://myplanetheart.at/

Schon unsere Großeltern wussten, das Wichtigste im Leben ist Gesundheit. In seiner Reihe „Mach’s weg“  interviewt Laurens Dillmann Menschen, die sich kümmern. Wieso sind sie ihrer Berufung gefolgt? Was sind ihre Werte?  Was macht uns krank, was lässt uns heilen? Ist unser Gesundheitswesen gesund? Und lässt sich Krankheit einfach “wegmachen”? 


Laurens Dillmann: Was ist dein Beruf? Was tust du?

Elisha Koppenheimer: Ich bin Humanökologin. Ich bin damals auf die Uni gegangen und dachte „Irgendwer muss diese Welt retten“. Deshalb habe ich Biologie und Ökologie studiert. Heute würde ich sagen, ich hatte ein naives Vertrauen in die Naturwissenschaft und dachte, wenn wir nur genug forschen und herausfinden, nur genug gute Ideen entwickeln, dann finden wir für jedes Problem eine Lösung.  Schnell war ich aber wirklich schockiert von der Atmosphäre auf der Universität. Heute mit 43 –  20 Jahre danach – denke ich: Es ist doch Wahnsinn, dass es nicht einen zumindest semesterlangen Kurs gab, in dem mit den jungen Studierenden über die Evolutionstheorie oder andere grundlegende Konzepte diskutiert wurde. Mit der expliziten Aufforderung, Einwände zu bringen und zu hinterfragen. Aber so etwas  gab es überhaupt nicht. 

Schon während meines Studiums habe ich Gesangsunterricht genommen und in Bands gespielt. Über das Singen und Musikmachen bin ich zum Tanz und zum Schauspiel gekommen. Nach der Diplomierung habe ich eine dreijährige Lernzeit im Bereich Körpertheater, Clownerie und Schauspiel absolviert. Ich war auch in Paris bei Philippe Gaulier. Danach habe ich angefangen, in diesem Bereich zu unterrichten: Improvisation, Stimme, Körpersprache und Präsentation. Eigentlich bin ich da so hineingeraten, in diesen freiberuflichen Lebensstil. Ich bin interessiert an Methoden, die Menschen selbst anwenden können, um in ihre eigene Kraft zu kommen. Um eben eine Rückverbindung an ihren eigenen Quell von Kraft, Weisheit, Intuition und Wissen zu finden. Ich sehe das als ökologische Notwendigkeit. Deswegen würde ich meine Berufsbezeichnung Humanökologin nennen, auch wenn ich nicht im akademischen Sinne in diesem Bereich forsche oder arbeite.

Dazu kommt noch ein weiterer Strang meines Lebens: Ich bin in einem buddhistischen Meditationszentrum in Italien aufgewachsen. Ermutigt von meinen MeditationslehrerInnen habe ich auch Methoden aus dieser Linie unterrichtet. Und ein weiterer ganz wichtiger Strang ist die Tiefenökologie. Als ich Teenagerin war, hat mir meine Mutter ein Buch von Joanna Macy gegeben, eine Koryphäe der Tiefenökologie. In diesem Buch ging es um die tiefenökologische Forderung, in jedem demokratischen Entscheidungsgremium müsse es EntscheidungsträgerInnen geben, die für die Ungeborenen sprechen. Eine Fraktion, die die Ungeborenen vertritt. Als Teenagerin hat mich das total beeindruckt, ich fand es toll und finde es imme noch! Tiefenökologie hat sich total mit dem Bild, mit dem ich aufgewachsen bin, gedeckt.

Mit was für einem Weltbild bist du aufgewachsen?

Dem einer Welt, die interconnected ist. In der Sprache der Quanten Theorie nennt man es “quantum-entanglement”. Das meint, dass Photonen, Elektronen und andere  Partikel, miteinander so in Verbindung bzw. verwoben sind, dass sie augenblicklich aufeinander reagieren. Also wenn eine Veränderung im einen Partikel stattfindet, beeinflusst sie augenblicklich auch das andere Partikel, egal wie weit diese voneinander entfernt sind. Diese Kommunikation findet augenblicklich, schneller als Lichtgeschwindigkeit statt. Einstein sagte dazu “spukhafte Fernwirkung”. Das bedeutet, dass gegenseitige Beeinflussung sehr weitreichend sein könnte. Wir atmen ja zum Beispiel ständig Moleküle aus und ein und verstoffwechseln diese, also bauen sie in unseren Körper ein, inklusive der Information die sie tragen. 

Was ist dieser Kraftquell, an den wir einen Anschluss bekommen können?

Ein Mysterium und ein Geheimnis. Etwas, das sich nicht mit Worten beschreiben lässt, aber direkt erfahrbar ist. Jede und jeder von uns kennt es eigentlich, oder spürt so eine Ahnung davon. Aber wir sind es gewöhnt alles was nicht messbar und konkret “objektiv” erfahrbar ist erstmal als eine Art Einbildung, etwas das “nicht wirklich” existiert einzustufen. Dieses Mysterium ist die Quelle von Lebendigkeit und auch der Selbstheilungskräfte des Lebendigen. Letztlich entzieht es sich den Worten und ist nur direkt erfahrbar.

Wonach sucht die Wissenschaft, die du in der Universität kennengelernt hast?

Das weiß ich nicht genau. Ich glaube, viele Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen suchen vielleicht nach Bestätigung von dem, was sie glauben. Das ist in der Regel ein materialistischer Glaube. Und es ist ein Glaube, weil ja vieles davon eigentlich nicht wissenschaftlich bewiesen ist. “Noch nicht!” würde die Antwort lauten, die aber wieder nur bestätigt, dass es sich um eine Annahme handelt. Und das ist ja nicht schlecht, es geht mir nicht darum, dass wir nichts glauben sollen. Aber wenn wir vergessen, dass es einfach eine Annahme ist und damit umgehen als wäre es gesichertes Wissen, dann kann das richtig ungesund werden. 

Diese Form von Wissenschaftsbetrieb hat zur Entfremdung von unserer Kraftquelle geführt. Der Körper ist nicht getrennt vom Geist.. Es ist ja nichts gegen rationale Überlegungen einzuwenden. Gleichzeitig: wenn wir uns vom Körper abkoppeln, funktioniert die Ratio auch nicht einwandfrei. 

Du sprichst in deinem Video davon, “das Mysterium zu verkörpern”. Was meinst du damit? 

Ich meine damit, dass das Leben ein Mysterium ist und dass die Lebendigkeit im Verkörpern dieses Mysteriums zu finden ist. Egal was wir erforschen und kategorisieren, wenn wir uns dabei vom Mysterium des Lebens abschneiden, in dem wir zum Beispiel behaupten, dass es kein Mysterium gibt, sondern nur noch nicht erforschtes Terrain, schneiden wir uns von der Ganzheit ab. Wir werden zu einsamen, abgeschnittenen Materieklumpen in einem leblosen Universum. Und das tut uns nicht gut. Die Auswirkungen davon können wir jeden Tag sehen.  

Zum Beispiel: Der Körper ist eben keine Maschine. Wir kriegen zwar oft dieses Bild suggeriert, unser Essen wäre wie das Benzin für eine Maschine, aber der wesentliche Unterschied ist: Wir verbrennen das Essen nicht einfach und atmen dann Schadstoffe als Endprodukte aus, wie es ein Verbrennungsmotor macht. Sondern wir nehmen Teile des Essens und bauen diese in unseren Körper ein. Die Atome und Moleküle, die dafür gebraucht werden, sind die ganze Zeit im Umlauf. Also besteht unser Körper aus Teilen, die schon Teile von unendlich vielen anderen Körpern waren. Von Pflanzen, Insekten und und und. In diesem Sinne habe ich keine individuellen Bauteile, die für mich – wie bei einer Maschine – extra hergestellt wurden. Auf der atomaren Ebene auch nicht. Ich habe keine Seriennummer. Unsere Körper entstehen und vergehen die ganze Zeit in diesem Kreislauf. Ich atme mit jedem Atemzug Kohlenstoffatome aus, die direkt aus meinem Körper ausgebaut wurden. Im Prozess des Stoffwechsels. Deswegen Stoff-Wechsel. 

Ihr atmet diese Kohlenstoffatome ein, und ich wiederum atme eure ein. Und dann gehen wir auseinander und sehen uns nie wieder – aber etwas bleibt. So ist das auch mit den Leuten, mit denen wir in der U-Bahn oder im selben Caféhaus sitzen. Das auch im Sinne der Interconnectedness und der Verschränktheit. Wir haben ganz viele Atome in uns, die direkt aus dem Körper von anderen stammen. Ich finde es wichtig, sich das immer wieder zu vergegenwärtigen. Es ist für mich auch eine Praxis, sich diesen Fluss zu vergegenwärtig. Den Flux-Zustand des Körpers und der mich umgebenden Welt. 

Wie lernt man, körperlich präsent zu sein – verkörpert zu sein?

Wir können damit beginnen, einfach den Körper wahrzunehmen. Den eigenen Arsch auf der Sitzfläche spüren. Das ist der Startpunkt und auch schon absolut ausreichend. Oder zum Beispiel  beim Gehen die Bewegung des Körpers zu spüren. Das ist  Übungssache. Es kann auch sein, dass wir so unsere eigene Taubheit spüren. Auch das ist Körperempfinden. Wenn jemand gewohnt ist, sich von den eigenen Körperempfindungen abzuschneiden und deswegen nur Taubheit spürt, ist auch das eine Körperempfindung. Auch mit diesem Gefühl können wir beginnen, körperlich präsent zu werden.

Aber natürlich ist das im ersten Schritt nicht unbedingt ein reines Wellnessprogramm.  Wenn wir beginnen, in den Körper reinzuspüren, spüren wir auch das, weswegen wir uns mal vom Körper abgeschnitten haben. Da führt kein Weg dran rum. Alle schwierigen Erfahrungen, Beleidigungen, Gemeinheiten, Blockaden. Das Gefühl des Ausgeliefertseins, das wir vielleicht in bestimmten Momenten hatten. In den Körper kommen, ist ein ganz wesentlicher Weg zur Heilung, zur Ganzwerdung. Aber das bedeutet, alle unterdrückten, weggesperrten Emotionen auch zu spüren, alle Erstarrungen, allen Schmerz, den wir verpanzert haben. Da geht es darum, damit in Kontakt zu kommen. Das kann durchaus heftig sein.

Es ist sinnvoll, sich sachte und geduldig voran zu tasten.  Mit dem Bewusstsein, dass Begleitung hier sehr hilfreich sein kann und dass sich Dinge oft dann zeigen, wenn wir stark genug sind, um sie zu bewältigen, auch wenn sie zuerst mal erschreckend und überwältigend wirken. 

Warum gibt es diese Trennung zwischen Schulmedizin und Komplementärmedizin und zwischen Wissenschaft und Spiritualität?

Ich finde die historische Erklärung sehr plausibel: Die Kirche hatte in Europa eine extrem große Macht. In der Zeit der Aufklärung ist auf verschiedenen Ebenen ein Machtkampf zwischen Kirche/Religion und Wissenschaft entstanden. Re-ligio bedeutet übrigens “Rück-Bindung”. Daher kommt die Trennung von diesen beiden: entweder – oder. Sich von der Herrschaft der Kirche zu befreien, hatte sicher sein Gutes. Die Wissenschaftler – damals waren es ja eigentlich nur Männer – haben dann die Position der Klerikalen eingenommen. Wie die neuen Priester eines neuen Glaubens. Rupert Sheldrake beschreibt das im Detail in seinem sehr gut recherchierten Buch “Der Wissenschaftswahn”. Die Wissenschaft ist an die Position der Kirche getreten. Wer mit dem materialistisch-reduktionistischen Glauben nicht einhergeht, auch wenn er oder sie, rigoros nach wissenschaftlichen Kriterien arbeitet, wird – so wie Rupert Sheldrake selbst – diffamiert und lächerlich gemacht. Diese Parallelen zwischen Kirche und Wissenschaft sind eben sehr offensichtlich, viele Menschen haben das schon angesprochen.  

Es gibt auch den Begriff des “consensus bias” also der “Konsens-Verfälschung”. Damit ist gemeint, dass WissenschaftlerInnen (vor allem in etablierten Wissenschaften) kaum in Richtungen die vom Konsensus abweichen forschen, weil sie einerseits keine Projekte finanziert bekommen und andererseits eben befürchten müssen damit eine Karriere zu verunmöglichen. Es könnte sein, dass dies letztendlich die Weiterentwicklung der Wissenschaft stark behindert. Beim Umgang mit der Corona-Situation ist das jetzt plötzlich viel sichtbarer für die Öffentlichkeit. Und es ist für viele offensichtlich, dass es nicht heilsam sein kann, wenn wir unterschiedliche Herangehensweisen und Blickwinkel nicht teilen, besprechen, abwägen und eben auch nebeneinander stehen lassen können.   

Warum bröckelt das materielle Weltbild deiner Ansicht nach?

Weil es schier nicht haltbar ist. Und weil es den Menschen immer schlechter geht. Wir haben immer mehr materiellen Wohlstand und es geht den Leuten immer schlechter. Das passt mit dem Weltbild, das es nur ums Materielle ginge, das es sonst nichts weiter gibt, nicht zusammen. Und die Erklärung, man brauche halt auch ein bisschen Freizeit und soziale Kontakte, die reicht auch nicht. Es braucht etwas Tieferes. Ein Leben, das eine Bedeutung hat. Nicht im Sinne von: Wie viel Erfolg habe ich? Wie viele Klickzahlen? Wie viel Geld verdiene ich? Bedeutung, das ist eine ganz individuelle Frage. Was ist ein erfülltes Leben? Auch das ist eine ganz alte spirituelle Frage.

Was kommt im Anschluss an der Bröckeln des Weltbildes?

Was in den nächsten Jahren passiert…es kommt mir schwer vor, das abzuschätzen. Als Humanökologin kann ich schon sagen, wir haben seit vielen Jahren alle Anzeichen vom Ende einer Hochkultur. Kulturen haben die Eigenschaften, dass sie zu Ende gehen, dass sie zusammenbrechen. Wir brauchen nicht zu glauben, dass unsere Kultur da einen anderen Weg geht. Genauso wie wir unserem eigenen Alter und unserem eigenen Tod nicht entkommen können. Vielleicht kann es trotzdem eine schöne Zeit sein, trotz dieser erschreckenden Erkenntnis. Vielleicht kann es trotzdem spannend sein, sich zu überlegen: Was heißt das jetzt? Was ist jetzt wirklich notwendig?

Denn gleichzeitig denke ich mir: Warum soll ein Wandel eigentlich nicht gelingen? Auch der Zusammenbruch ist nur eine Narrative. Es kommt der Zusammenbruch und dann eine schreckliche Chaoszeit. So wie nach dem Zerfall des römischen Reiches das Mittelalter kam. Aber wie schrecklich dieses wirklich war, für die die mittendrin waren, wissen wir vielleicht gar nicht so genau. Die Weltkriege waren auch schrecklich. Wir schätzen es vielleicht überhaupt nicht richtig ein, welche negativen Folgen diese bis heute auf uns haben. Was ich sagen will: Wir erzählen uns Geschichten die vielleicht nur eine Seite eines facettenreichen Lebens beschreiben. Und vielleicht können wir immer nur einen Ausschnitt erfassen, wenn wir versuchen alles zu wissen und zu verstehen. Wir verstehen dann einen Teil, aber nicht das Ganze.  Und was ist, wenn wir uns dem Mysterium des Lebens zuwenden? Ich glaube, es ist ganz wichtig, dass wir uns dem nicht-wissen öffnen und dass wir lernen, dass es verschiedene Antworten gibt, die parallel existieren können. Es kann sein, dass es schwierig wird. Parallel dazu kann das Leben trotzdem wundervoll sein. Was glaube ich wesentlich ist, ist das wir eben an einen inneren, tieferen Quell angebunden sind. 

Ein fließender Übergang?

Das weiß ich nicht. Das Leben ist auch manchmal nicht fließend. Es rüttelt, es macht BANG und dann ist es plötzlich anders. Aber das ist ja auch manchmal toll. Und eröffnet neue Betrachtungsweisen: Ein Symptom kann auch der Anfang einer Heilung sein. Da komme ich wieder darauf zurück: Ich sehe es als absolute ökologische Notwendigkeit, dass wir an unseren eigenen Kraftquell andocken. Wenn wir in dieser Lebendigkeit sind, dann kommen Lösungen. Ich meine damit nicht, dass dadurch alles gut und einfach wird, sondern dass die Herausforderungen, die auf uns zu kommen, nur mit dieser stabilen Rückverbindung überhaupt bewältigt werden können. 

Klar macht uns die Vorstellung ans Ende unserer Ressourcen zu kommen Angst und auch zu Recht. Gleichzeitig können diese Momente wirkliche Durchbruchspunkte sein. Wenn wir am Ende unserer Kraft angekommen sind, wenn wir gar nicht mehr weiter wissen, wenn wir wirklich verzweifelt sind…Wenn wir uns in solchen Augenblicken hingeben, in gewisser Weise auch aufgeben, können ungeahnte Lösungen und Bewusstseinssprünge passieren. In manchen Kulturen gehören solche Erfahrungen zum Beispiel auch zur Initiation ins Erwachsenenleben. Und ich meine nicht, dass dann irgendwie magisch alles von selbst geht. Wir müssen vielleicht noch härter arbeiten als davor, aber in uns ist irgendetwas transformiert, so dass der Weg in eine neue Realität möglich wird. In solchen Momenten unseres Lebens wird die Anbindung an etwas in unserem Inneren oder im Kosmos, an eine tiefere Quelle notwendig und ich denke, dass diese Rückverbindung auch durch solche Erfahrungen geschehen kann. Eben als Selbstheilung des Lebendigen. Ich will damit nur sagen, dass wir vielleicht weniger Angst davor haben sollten, ans Ende unserer Ressourcen zu kommen. Und: vielerorts “arbeiten” die Selbstheilungskräfte des Lebendigen schon.

Ein konkretes Beispiel: So viele Menschen interessieren sich für den Anbau von Gemüse und Nahrungsmitteln. Das kommt ja nicht aus einer rationalen Überlegung: „Oh, die Kultur geht hernieder. Jetzt sollte ich mal mit dem Gärtnern anfangen.“ Ich nehme es wirklich so wahr, dass dieser Wunsch aus der Tiefe kommt. Und vor allem kommt er freudvoll, als Lust daher und nicht als schreckliche Bürde. Er hat diese Qualität: Das Lebendige will sich selbst heilen.

Ich will es nicht romantisieren: Von ein paar Tomaten am Fensterbrett kann man auch nicht überleben, ist klar. Aber es ist ein Beispiel, dass es diese Kraft gibt. Dass sie da ist, dass sie sich bewegt. Da ist kein Zwang zur Selbstheilung, sondern Lust. Lust auf Gärtnern, Tiny Häuser, Kräuterwanderungen. Das geschieht alles nicht mit der Haltung: „Oh Gott, jetzt muss ich auch noch meine eigenen Paradeiser anbauen, ich bin eh schon so fertig.“ Im Gegenteil, daraus wird Kraft bezogen. Also die Selbstheilung bringt wieder mehr Kraft, Lebensfreude, Lust und Energie! Und das zu beobachten, ist total mutmachend für mich.

4 Gedanken zu “Die Rückverbindung mit uns selbst ist eine ökologische Notwendigkeit – mit Humanökologin Elisha Koppensteiner”

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