Der Verstand steigt aus, wenn man lacht. Man kann sich selbst weglachen, so wie die Kinder.“ – oder – „Was mir jetzt durch diese Corona-Krise bewusst geworden ist: Ich brauche ein Gegenüber, um zu lachen.“


Sigrid Pohl-Häußler
Geboren 1945, ursprünglich Krankenschwester, zuletzt häusliche Krankenpflege (Berlin-Heiligensee), Ausbildung Katechetin (Religionslehrerin) und Heilpraktikerin (beide nicht abgeschlossen), Reiki-Ausbildung, Ausbildung zur Lachyoga-Leiterin für “Initiative Hauptstadt lacht”, Rentnerin.

Schon unsere Großeltern wussten, das Wichtigste im Leben ist Gesundheit. In seiner Reihe „Mach’s weg“  interviewt Laurens Dillmann Menschen, die sich kümmern. Wieso sind sie ihrer Berufung gefolgt? Was sind ihre Werte?  Was macht uns krank, was lässt uns heilen? Ist unser Gesundheitswesen gesund? Und lässt sich Krankheit einfach “wegmachen”? 


Laurens Dillmann: Wie bist du zum Lachyoga gekommen?

Sigrid Pohl-Häußler: Irgendwann, das ist etwa 13 Jahre her, fiel mir auf, dass ich nicht mehr so viel lache wie früher. Dass es nicht mehr so leicht ging. Dann stieß ich auf die Ursache: Ich bin sehr leicht beeindruckbar durch jede Form von Kritik. Als mir eine sehr kritische Frau mal sagte: „Lach doch nicht immer so hämisch“, habe ich damit einfach aufgehört. Als mir das bewusst wurde, bin ich auf Lach-Yoga gestoßen (lacht). Ich war erst nur Teilnehmerin, dann habe ich die Ausbildung zur Lachyoga-Leiterin gemacht. Erst habe ich Vertretungen mitgemacht, dann bin ich eingebunden worden in die Vorbereitungen zum Weltlachtag, der immer am ersten Sonntag im Mai stattfindet. Jetzt leite ich seit fünf Jahren eine eigene Gruppe, dienstagabends im KREATIVHAUS, Berlin-Mitte.

Wir sind eine Vereinigung von Lachyoga-Leiterinnen hier in Berlin unter dem Titel: „Hauptstadt lacht“. Wir planen Veranstaltungen, stehen untereinander in Kontakt und tragen die Idee des Lachyoga weiter. Der Gründer, Dr. Madan Kataria aus Indien, hat vor 25 Jahren mit Lachyoga angefangen, zunächst haben sie sich Witze erzählt, das ging aber nicht lange gut. Dann ist er, zusammen mit seiner Frau Maduri, auf die Idee gekommen, Atemübungen (Pranayama) aus dem Yoga mit spielerischen Elementen zu verknüpfen. Es geht darum das innere Kind wieder spielen zu lassen. Inzwischen ist Lachyoga eine weltweite Bewegung mit Tausenden von Lachclubs in aller Welt. Man kann durch die Welt reisen, „Lachyoga“ googlen und wird in den entsprechenden Städten Menschen finden, mit denen man Lachyoga praktizieren kann.

Ist das ein typischer Weg zum Lachyoga, das Lachen zuerst zu verlernen, bis es einem wieder wichtig wird?

Viele Menschen denken natürlich erstmal: „Die spinnen doch“. Viele meiner Kolleginnen hatten Krisen, bevor sie zum Lachyoga kamen. Aber es ist kein typischer Weg, nein. 

Was mir jetzt durch diese Corona-Krise bewusst geworden ist: Ich brauche ein Gegenüber, um zu lachen. Madan Kataria sagt zwar: Wer Lachyogaleiter werden will, muss jeden Tag 20 Minuten für sich alleine zuhause lachen. Aber das kriege ich nicht richtig hin. Dafür laufen jetzt über Zoom oder Skype eine ganze Menge Lach-Gruppen, auch weltweit.

Lachyoga – Physische Wirkungen – Fitness für den Körper
(Quelle: Initiative Hauptstadt lacht)

🙂 – Die Durchblutung von Körper und Gehirn mit mehr sauerstoffhaltigem Blut wird gefördert
🙂 – Die Lunge wird durch die vertiefte Atmung gereinigt und die Lungenelastizität verbessert. Das fördert die natürliche Schleimlösung in den Bronchien und hilft bei Asthma
🙂 – Das Herz-Kreislauf-System wird angeregt: Herzfrequenz und Blutdruck steigen beim Lachen. Durch die Arterienerweiterung fällt der Blutdruck dann wieder ab, langfristig werden Blutdruck und Herzfrequenz gesenkt
🙂 – Stresshormone (besonders Cortisol) werden abgebaut, wodurch auch der Blutzuckerspiegel sinkt
🙂 – Cholesterin wird besser ausgeschieden, dadurch werden das Herz- und Schlaganfallrisiko gesenkt
🙂 – Innere Organe werden durch die rhythmischen Bewegungen von Zwerchfell und Brustkorb massiert und mit sauerstoffreichem Blut versorgt, besonders auch das Lymph- und Verdauungssystem
🙂 – Die Muskulatur im gesamten Körper wird stimuliert – an die 300 Muskelgruppen werden an- und entspannt. Das löst Verspannungen und steigert die Kondition
🙂 – Das Immunsystem wird durch die vermehrte Produktion von Lymphozyten, Immunglobulin A gestärkt
🙂 – Endorphine werden vermehrt ausgeschüttet, diese sorgen für ein Wohlgefühl und senken die Schmerzempfindlichkeit
🙂 – Durch die bessere Sauerstoffversorgung des Gehirns wird auch die Konzentrationsfähigkeit erhöht
🙂 – Lachen wirkt als natürliche Verjüngungs- und Schönheitskur durch die erhöhte Sauerstoffversorgung und verbesserte Durchblutung der Hautzellen, was zu einer positiven Ausstrahlung beiträgt

Wie hast du dich verändert, seitdem du Lachyoga machst?

Ich habe eine ganz andere Einstellung zu den Dingen, die mir passieren. Wenn mir etwas in die Quere kommt, kann ich sagen: „Wer weiß, wozu das gut ist?“

Für mich ist Lachyoga ein Stein in einem größeren Ganzen. Ich möchte nicht missionieren, weil jeder einen eigenen Heilungsweg hat. Ich habe noch vieles Andere ausprobiert z.B. Farblehre, Steinheilkunde, Familienstellen, Rebirthing, Bachblüten und anderes. Aber beim Lachen und beim Singen bin ich bis heute konsequent geblieben. Ich empfinde mich selber als ein Teil von etwas Größerem, ich bin am Ehesten zu sehen als ein Teil von Gruppen, kein Solitär. Gemeinsam entsteht immer etwas Größeres, im Chor deutlich zu spüren an der Schwingung, die beim gemeinsamen Singen entsteht. Lachen ist ansteckend, das weiß jeder, den es mal erwischt hat.

Wie verläuft eine Lachyoga-Gruppe mit dir?

Wenn Menschen da sind, die das Lachyoga noch nicht kennen, wird erst mal erklärt, was Lachyoga überhaupt ist und warum es Lachyoga heißt. Jeder sagt seinen Vornamen, macht eine ganz spontane Bewegung und ein Lachen. Und wir wiederholen alle gemeinsam den Namen, die Bewegung und das Lachen. Dann tanzen wir nach Musik die wir mitbringen oder singen den Körperzellenrock und bewegen uns dazu, um uns aufzulockern. Generell fängt es meist mit Stressabbau an. Zum Beispiel stellen wir uns vor, es liegt ein Tuch in der Mitte und da darf mit aller Kraft und aller Lautstärke alles rein geschmissen werden, was in letzter Zeit gestresst hat. Da darf man auch wütend sein, es darf auch richtig laut geschrien werden. Die Ladehemmung, alles rauszulassen, darf abgebaut werden. Wenn man damit Schwierigkeiten hat, ist das wirklich heilsam.

Dann gibt es drei Elemente, die immer zum Lachyoga gehören. Dazu spreizen wir die Hände und klatschen mit HO-HO-HA-HA-HA und bewegen uns dabei durch den ganzen Raum, möglichst immer mit Augenkontakt. Die Berührung der Handflächen stimuliert die Energiepunkte für den ganzen Körper, Durch das HO-HO-HA-HA-HA_ wird immer angezeigt, wenn eine Übung zu Ende ist und etwas Neues beginnen soll. Diese Übung ist auch schon sehr komisch (lacht).

Danach kommt der eigentliche Yoga-Anteil mit Atemübungen. Da gibt es ganz verschiedene. Zum Beispiel die Schultern hochziehen, Fäuste ballen und mit einem Seufzen ausatmen, die Hände nach oben heben und dabei einatmen, mit einer weiten Beugung ausatmen. Die Herzatmung: Wir heben die Hände vor dem Körper bis zum Bauchnabel, formen ein kleines Herz beim Ausatmen, das Herz ist für mich selber, dann heben wir die Hände bis zum Herzen, formen ein größeres Herz beim Ausatmen, das ist für alle in der Gruppe, und als Letztes gehen wir bis über den Scheitel und formen ein großes Herz für die ganze Welt. Dazu kommen weitere Atemübungen aus dem Qi-Gong und Yoga.

Und es gibt das Element des Lobens. Wir Menschen warten ja immer darauf, gelobt zu werden. Dieser deutsche Satz „Eigenlob stinkt“, der stimmt gar nicht. Ich habe das umgewandelt und sage „Eigenlob stimmt.“ Eine Kollegin sagt, das ist duftendes Eigenlob (lacht). Das machen wir in unterschiedlichen Sprachen. Wir fangen oft mit dem Berliner Dialekt an: Dit is jut, dit is jut, dufte. Und dann hüpfen wir rum wie kleine Kinder und freuen uns, dass wir es gut gemacht haben.

Und dann gibt es eben unterschiedlichste Übungen. Sätze zum Lachen aufsagen: Ich lache mich krumm und schief. Dann lachen wir uns krumm und schief, auch körperlich. Wenn man sowas macht, lachen die Leute auf jeden Fall. Es geht gar nicht anders. Die Übung, die am besten funktioniert, ist das vorbeugende Lachen. Da lachen auch die, die zu Beginn sagen, sie haben Schwierigkeiten damit. Ich erkläre dies Übung so, dass etwas Wissenschaftliches erwartet wird, aber wir beugen uns einfach nur vor und lachen (lacht).

Sobald man anfängt zu lachen, schaltet sich das Gehirn aus. Der Verstand steigt aus, wenn man lacht. Man kann sich selbst weglachen, so wie die Kinder. Und wir spielen auch wie kleine Kinder. Wir stellen uns vor, wir haben eine Harley-Davidson, füllen sie mit Lach-Benzin und fahren damit lachend durch den Raum. Auch eine schöne Übung: Man bläst sich groß und stark auf wie ein Gorilla, klopft sich auf die Brust und steht so vor einer anderen Person und brüllt lachend. Dieses Imponiergehabe können viele gar nicht. Aber es ist eine gute Übung, auch mal die eigene Power zu spüren,. Oder wir lachen uns ins Fäustchen, lachen über unsere Pannen, nutzen jede Gelegenheit, um neue Übungen entstehen zu lassen, aus dem Augenblick heraus. Zum Abschluss einer Lachyoga-Session gibt es noch ein freies Lachen am Boden mit einer abschließenden kurzen Meditation.

Wichtig ist mir, dass wir nicht nur lachen, sondern der eigene Körper mit einbezogen wird. Man ist immer in Bewegung, kreuz und quer durch den Raum.

Lachyoga – Physische Wirkungen – Balsam für die Seele
(Quelle: Initiative Hauptstadt lacht)

🙂 – Wir beeinflussen aktiv unsere Stimmung, denn wir lachen ungeachtet der Umstände
🙂 – Die Grundstimmung hebt sich – wir fühlen uns heiter und optimistisch, was uns in schwierigen Zeiten eine Stütze sein kann
🙂 – Lachen lockert die Gedankenmuster, mit Abstand kann man sich selbst (und auch Probleme) in einer neuen Perspektive sehen
🙂 – Lachen lindert nervliche Anspannungen, da durch die Zwerchfellatmung das parasympathische Nervensystem stimuliert wird
🙂 – Es wirkt stresslösend, negative Effekte von Sorgen und Belastungen können abgeschwächt werden. Damit kann es auch vorbeugend wirken gegen Angststörungen, Depressionen, Burnout und Schlafstörungen
🙂 – Lachen weckt das innere Kind – die Begeisterung für die kleinen Dinge des Lebens und bietet die Möglichkeit sich und seine Emotionen frei auszudrücken
🙂 – Lachen befreit und fördert die Kreativität
🙂 – Es stärkt die eigene Körperwahrnehmung

Wie gehst du mit den Blockaden der Menschen um?

Für mich geht es beim Lach-Yoga nicht darum, alle als negativ empfundenen Gefühle wegzulachen. Das halte ich für gefährlich. Für mich geht es darum, aufkommende Gefühle wertzuschätzen, sie zu fühlen, ihre Energie zu spüren. Und mich über sie zu freuen, wenn sie da waren und danach herzhaft zu lachen. Gefühle wollen mir ja etwas sagen, sind Botschaften meines Körpers, die beachtet werden wollen. Ich weiß, dass manchen Menschen das Lachen sehr schwer fällt. Es wird erst recht schwierig, wenn jemand jemanden mitbringt, der „mal wieder lachen sollte“.  Einmal hat eine Frau ihren Mann mitgebracht, der stand ganz verkniffen an der Seite und hat sich nicht gerührt. Da habe ich ihm gesagt: „Du musst hier nicht bleiben.“ Es funktioniert wirklich nur auf freiwilliger Basis. Man kann Lachen nicht provozieren.

Es gibt Menschen, sogenannte Gelotophobiker, die Angst vorm Lachen haben. Das sind Menschen, die wahrscheinlich in früher Kindheit oder der Schule oft ausgelacht worden sind. Die immer im Brennpunkt standen. Als Kind habe ich das auch einmal erlebt, in der Schule. Ich denke, dass ich zeitweise selbst auch Gefühle weggelacht habe, um sie nicht zu spüren. Wut zum Beispiel. Viele Menschen können ihre Wut nicht spüren. 

Eine Kollegin von mir ist Zahnärztin, die verbindet das Kauen mit dem Lachen. Schon wenn der Kiefer entspannt ist, verändert sich die gesamte Statik des Menschen. Bei schwer Depressiven wird es teilweise angewandt, dass sie stunden-, tagelang mit einem Stift zwischen den Zähnen unterwegs sind. Alleine das minimale Hochziehen der Mundwinkel reicht aus, um das Belohnungszentrum zu stimulieren. Wenn jemand ganz tief in einer Depression ist, dauert das natürlich seine Zeit. Aber es wirkt. Es kommt häufiger vor, dass Menschen vom vielen Lachen ins Weinen kommen. Als mein Mann vor zehn Jahren starb, habe ich Lach-Yoga auch weitergemacht und konnte dadurch leichter weinen.

Warum arbeitest du mit Menschen? Fühlst du dich gesellschaftlich ausreichend wertgeschätzt?

Ich weiß gar nicht, warum ich damals Krankenschwester geworden bin. Das war der einzige Beruf, in dem ich nicht in irgendeinem Büro hätte sitzen müssen (lacht). Mir hat es aber auch gut getan, etwas für andere Menschen tun zu können. Aber nach Beginn des Qualitätsmanagements, als wir mehr Zeit für schriftlichen Kram als für die Patienten aufbringen mussten, hat mein Rücken gestreikt.

Ich brauche keine gesellschaftliche Würdigung für meine Arbeit. Ich will einfach nur Spaß haben. Aber auf irgendeiner inneren Ebene geht es mir sicher auch um Anerkennung. Und um den Satz: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Der immer irgendwie umgedreht gedacht wird, indem wir uns an den Anderen orientieren. Inzwischen weiß ich, es geht darum, sich zuerst wirklich selbst zu lieben. Und wenn du alles in dir annehmen und lieben kannst, kannst du dem Anderen geben, was in dir ist. Das geht gar nicht anders.

Wie schult man seinen Blick fürs Gegenüber?

Es fällt mir sehr schwer, mich in Andere hineinzufühlen. Das kann ich nicht. Die Trauma-Therapeutin Dami Charf sagt, das ist ein Bindungstrauma. Wenn man in der frühesten Lebensphase Bindung nicht erlebt hat, kann man sich nur bedingt in andere einfühlen. Ich spürte da nichts. Es hat sich inzwischen sehr gebessert, früher konnte man mit mir überhaupt nicht reden, ich war immer auf dem Sprung, mit den Augen abgelenkt durch jede kleinste Bewegung. Ich habe das einfach nicht gelernt. Ich hatte nie Unterhaltungen mit meinen Eltern. Ich konnte nie Probleme mit jemandem besprechen, war viel alleine gelassen.

Aber ich wünsche mir Verbundenheit. Deswegen tut mir die Gruppenerfahrung auch so gut. Auch in einer Atemgruppe, jetzt hier online, während wir sozusagen im Hausarrest sind. Am Anfang geht es in dieser Gruppe darum, sich vorzustellen: Man steht im Kreis und ist miteinander verbunden. Das ist eine tägliche Übung, mit der ich diesem Gefühl näher komme.

Lach-Yoga – Soziale Wirkungen – für das Miteinander
(Quelle: Initiative Hauptstadt lacht)

🙂 – Lachen kann das eigene Selbstvertrauen stärken, es hilft Hemmungen abzubauen und offen auf Mitmenschen zu zugehen
🙂 – Es ist ein Signal des Vertrauens zu den Mitmenschen. Es ermöglicht die vertrauensvolle Nähe für stabile Sozialstrukturen privat oder beruflich. Lachen ist Ausdruck von Sympathie, gegenseitigem Einverständnis und wirkt deeskalierend
🙂 – Lachen macht anziehend: Ein fröhlicher, entspannter Mensch wirkt anders auf seine Umwelt als ein ernster, angespannter Mensch
🙂 – Es ist „soziales Schmiermittel“, wirkt anregend und fördert die Kommunikation, was sich auch auf die Motivation und Verbundenheit im Team positiv auswirkt
🙂 – Lachen verstärkt das Gemeinschaftsgefühl und verbindet Menschen – unabhängig von Religion, Alter oder Herkunft

Wie empfindest du unseren derzeitigen gesellschaftlichen Umgang mit Gesundheit & Krankheit?

Für mich wirkt die jetzige Situation auf einer viel tieferen Ebene. Sie hat etwas damit zu tun, dass sich etwas Grundlegendes ändern muss. Und zwar jetzt, es ist wirklich an der Zeit. Es ist eine ganz entscheidende Entwicklung und ich finde es unheimlich interessant, in dieser Zeit leben zu dürfen. Was ich in jeder Krankheit sehe, ist das Wachstum eines jeden Einzelnen. Das Immunsystem wird gestärkt und trainiert dadurch, dass jemand eine Krankheit durchgestanden und überwunden hat. Jemand hat mir erzählt: Kleine Kinder, die eine fieberhafte Erkrankung haben, haben hinterher oft eine Fähigkeit erworben, die sie vorher noch nicht hatten.

Auf welchen Werten würdest du dein Gesundheitswesen aufbauen?

Ein gesundes Miteinander ist für mich wichtig. Viel körperliche Nähe, wir brauchen das. Hier in der Selbstisolation berühre ich mich ständig selbst, da bin ich gut versorgt (lacht). Es gehört dazu, dass man lernt, miteinander zu kommunizieren. Wirklich zu lernen, sich zuzuhören. Sich zu öffnen und nach außen zu gehen. Also auch zu lernen, wieder mit der Natur zu kommunizieren. In Kontakt zu sein, mit dem, was um uns ist. Ich denke, das würde das Risiko gesundheitlicher Probleme senken. Dankbar sein für das, was man hat. Damit kann man schon mal anfangen (lacht). Wir können so dankbar sein, dass wir einen Raum haben, in dem wir uns isolieren können. Auch das ist ein Geschenk.

Ich bin hier im Kiez in einer Gruppe „Klimawandel-Kiez“, da geht es unter anderem darum, unseren Kiez noch mehr zu begrünen. Da gibt es tolle Beispiele im Buch: „Bäume auf die Häuser, Wälder in die Stadt“ von Conrad Amber. Eigene Gärten, essbare Städte, wo Nahrung direkt vor Ort gepflanzt und geerntet wird. Ich erinnere mich gerade wieder daran, wie ich die Kräuter, die in der Umgebung wachsen, erkennen und nutzen kann. Dieses Wissen weiterzugeben wäre auch eine Möglichkeit. In der Hasenheide habe ich gerade mit einer Freundin Bärlauch, Löwenzahn, Brennesseln, Wegerich, Gänseblümchen gesammelt. Die gab es gestern im Kartoffelsalat. Es sollte darauf Wert gelegt werden, sich von klein auf gesund zu ernähren. Wenn man schon bei Säuglingen auf das achten würde, was sie wirklich mögen, würden sie ihre Intuition behalten und wir hätten weniger Probleme, zumindest was die Ernährung angeht.

Wir sollten die Möglichkeit haben, barfuß zu laufen. Nicht kleinen Kindern direkt Schuhe anziehen. Wir lernen über die Füße, hat irgendjemand geschrieben. Ich denke, wir würden viel bewusster in unserer Umwelt leben, wenn unsere Füße den Boden wirklich fühlen könnten. Wir würden nicht so oft mit unserem Verstand oder unseren Gedanken abweichen und Unfälle bauen. Das kann ich nämlich auch gut (lacht).

Bildquellen: Laurens Dillmann & 123RF.com

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