Heute erscheint meine Interviewreihe „Kunst & Kopfkrieg“ offiziell als Buch bei Etica Media.

Über einen Zeitraum von gut fünf Jahren habe ich Interviews für diese Reihe geführt. Das erste Mal dafür war im Jahr 2018 in Berlin. Anfangs war ich beim Interviewführen noch total aufgeregt. Ich war bereits Musikjournalist, mit ein paar gut laufenden Veröffentlichungen in bekannten Magazinen, so wie ich es mir gewünscht und erarbeitet hatte…das klingt nach gut durchgeplanten Karriereweg.

Ehrlich gesagt war ich in meinen 20ern ohne Orientierung, stand neben mir und schon gar nicht mit beiden Beinen im Leben. So habe ich die Flucht nach vorne ergriffen und mit meinen Gästen aus der Welt der Musik darüber gesprochen. Über den Krieg im eigenen Kopf und dass die Kunst uns dabei helfen kann, zu überleben. Ich lernte: Aha, ich bin also nicht der einzige Mensch, der den Weltschmerz hat. Und trotzdem gibt es Hoffnung.

Natürlich lässt sich Bei Kunst über Geschmack streiten. Sie kann ein Remix sein, etwas Inspiriertes oder Übernommenes, aber sie geht stets diesen Weg: Von Innen nach Außen. Ein bleibender Eindruck entsteht, aus uns und durch uns selbst. Davon, dass ich das selbst auch kann, war ich dank meinen Eltern schon früh überzeugt. Sie malten, musizierten, handwerkten, und lebten es mir vor. Das Grundrauschen meiner Kindheit war der Jazz und das Saxophon meines Vaters.

Ich bin selbst einer von denen, die ich interviewe: Ein Künstler. Das so frei sagen zu können, ist ein großer Entwicklungsschritt für mich, nachdem ich lange keinen blassen Schimmer hatte, wer ich bin und was ich besonders gut kann. Tag für Tag bekomme ich klarere Konturen und radiere das aus, was mir nicht (mehr) entspricht.

Auf das Buch, das ich jetzt ganz real in Händen halten und durchblättern kann, bin ich stolz. Ich lese darin nicht nur etwas über meine Gäste, sondern auch über mein jüngeres Ich, etwas naiv, teils brutal ehrlich, aufrichtig interessiert. Ich habe Mitgefühl mit dieser Version von Laurens. Ich habe Respekt vor seinem Mut, sich zu zeigen und dem Drang, den Dingen auf den Grund gehen zu wollen. Das sind Eigenschaften, die ich seitdem weiterentwickelt habe. Manch Negatives von ihm habe ich abgelegt oder bin mit Dringlichkeit dabei. Wer ich wohl in fünf Jahren bin?

Danke an all die, die dieses „Mich zeigen“ unterstützt haben und es weiterhin tun. An Gesa, meine Verlegerin, Lisa, meine Liebe, meine Freunde in Frankfurt, Berlin, Freiburg und sonstwo, meine Künstlerfamilie und meine Interviewgäste.

Juni 24,
Laurens Dillmann

Interviews - Körperarbeit - Coaching

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