Mein Weltbild verändert sich von Zeit zu Zeit und das ist gut so. Dieser Text ist ein Entwurf in konstanter Überarbeitung.

Bewegung

Ich kann mich gut erinnern, wie ich das erste Mal die Yoga-Matte ausbreitete und versuchte, mich in die Warrior-Pose zu begeben. Es wurde ein Worrier. Wie halte ich das Gleichgewicht? Warum fühlen sich meine Gelenke an wie eingerostete Scharniere? Wie sieht das wohl von außen aus? Auf die ersten wackeligen Gehversuche, mich 20 Jahre nach meiner Kindheit wieder in meinem Körper zurechtzufinden, folgte ein Schweige-Meditations-Retreat im Yoga-Vidya-Zentrum in Bad Meinberg.

Wir können uns nicht nicht bewegen. Wir sind unser Körper und drücken uns darüber aus. Körpersprache ist subtil, doch wenn wir uns erinnern, wie man sie spricht, treten wir auch in Verbindung zu uns selbst. So viele sprechen von  „meinem Körper“ und behandeln ihn als etwas von sich selbst Getrenntes. Beim Yoga lernte ich den Atem als Werkzeug kennen, zurück zu mir selbst zu finden. Der „moderne“, gehetzte Mensch ist meist in eine flache Brustatmung verfallen, die zur Hyperventilation führt. Er sitzt zu viel und stirbt an generellen Bewegungsmangel und Stress. Die tiefe Bauchatmung ist das dringend benötigte Gegenstück, in ihr lassen sich Entspannen und Hingabe üben. 


„Breathe, Motherfucker! It‘s for free!“

– Wim Hof

Der Körper ist mein Eintritt in das Leben. Mein Vehikel, um mich auf dieser Welt zu bewegen. Das einzige Reich, das ich wirklich ausfüllen, beherrschen und anleiten kann. Ich dem ich tun und lassen kann, was ich will. Wenn mir kein Schmerz dazwischenfunkt. Aber was führt eigentlich dazu, dass so viele Menschen verspannt sind? Schmerz ist ein Hilfeschrei, die körperliche Warnung, dass unser Lebensstil im Ungleichgewicht ist. Denn ich BIN der Körper, nicht meine Knie tun mir etwas Böses, wenn sie schmerzen und nicht „funktionieren“. Mich faszinieren diese psychosomatische Zusammenhänge und ich forsche ihnen jeden Morgen mit dem ersten Recken und Strecken meiner Gliedmaßen nach. 

Ernährung

Weißt du, was sich in deinem Körper abspielt, wenn du isst? Was all die Begriffe bedeuten? Kalorien, Kohlenhydrate, Proteine, Fette, Ballaststoffe, Mineralstoffe, Zink, Eisen, Jod, Phosphor und und und. Keine Sorge, nicht einmal die Gesundheitsexperten wissen Bescheid. Ernährung spielt in der schulmedizinischen Ausbildung nur eine Nebenrolle.

Was macht der Gedanke mit dir, dass das Übergewicht und die Herzkreislauferkrankungen der reichen Industrienationen vermeidbar wären? Ein großer Augenöffner in dieser Hinsicht waren für mich die Bücher China Study von Colin Campbell und Wir fressen uns zu Tode der russischen Ärztin Galina Schatalova, die unsere Kalorienlehre radikal in Frage stellt. Ich glaube, wir übersehen generell, dass das Gefühl des Genährtseins nicht ausschließlich mit Nahrungsaufnahme zu tun hat. Um die Verwirrung perfekt zu machen: Konträr zum Verständnis, Energiezufuhr sei nur durch Nahrungsaufnahme möglich, ist bewusstes und gut geplantes Fasten eine der gesündesten und billigsten Methoden, unsere Gesundheit zu erhalten.

„Eure Nahrungsmittel sollen eure Heilmittel
Und eure Heilmittel eure Nahrungsmittel sein.

– Paracelsus

„In Gut We Trust“. Das Wort Bauchgefühl stammt nicht von ungefähr. Der Zustand unserer Darmflora hängt wesentlich mit unserem Gemütszustand zusammen. Unser Hirn kann nicht transplantiert werden, unseren Darm können wir sanieren. Aber das ist bei der Masse an duftenden Verlockungen nicht einfach. Doch es lohnt sich, denn es gibt einen feinen Unterschied zwischen Lebensmittel und Nahrungsmittel. Der regelmäßige Konsum von gesellschaftlichen akzeptierten Rauschmitteln wie raffiniertem Zucker, Koffein, Nikotin, nährstoffarmen Weißmehl schlägt auf den Magen, und dieser ist eng mit unserem Gemüt verknüpft. Gesunde Ernährung ist damit bei nahezu allen mentalen Krankheiten der Schlüssel, tiefgreifende Veränderungen einzuleiten. Probiotische Lebensmittel wie Sauerkraut, Kimchi oder Kombucha könnten somit als natürliches Antidepressivum bezeichnet werden.

Entspannung

Entspann dich mal. Ich wusste, wenn es mir gelingt, konzentriert zu sein, Körper, Emotionen und Bedürfnisse zu fühlen und authentisch auszudrücken, nehme ich den Druck heraus, der in die Depression hineinführt. Meditation und achtsame Innenschau sind seit Jahrtausenden Kulturgut der spirituellen Weisheitslehren, und in ihrer heilsamen Wirkung wissenschaftlich hinreichend erforscht. Nachprüfen lässt sich das nur über den Weg der Selbsterfahrung, die sich naturgemäß meist nur über den Umweg der Poesie in Worte fassen lässt.

„Ich meine, es müßte einmal ein sehr großer Schmerz
über die Menschen kommen, wenn sie erkennen,
daß sie sich nicht geliebt haben,
wie sie sich hätten lieben können.“
– Christian Morgenstern

Klingt gut. Werde es üben.