Im Mittelalter wurde das weitergeführt, wo jede Art von alternativer Spiritualität oder Heilpraxis mit Tod, Folter oder Vertreibung und Unterdrückung bestraft wurde. Gerade in Europa sind wir durch die Christianisierung schwer traumatisiert, unserer Naturverbundenheit und unseres Körperbewusstseins beraubt worden. Das ist eine Verzerrung des natürlichen Gleichgewichts, die sich in Philosophie und Menschenbild abbildet und letztlich zu einer entseelten Welt geführt hat.


Uli Mai

Geisteswissenschaftliches Studium, Kulturjournalistin, Körpertherapeutin, autodidaktische Ausbildung in Astrologie, Beratungen, Coachings, Workshops.

https://www.claimyourbody.com


Für meine Interviewreihe „Mach’s weghabe ich rund 50 Interviews mit verschiedensten Perspektiven auf das Thema Gesundheit geführt. Schließlich wussten schon unsere Großeltern: Das wichtigste im Leben ist die Gesundheit. Aber was ist das überhaupt? Und lässt sich Krankheit einfach „wegmachen“?


Laurens Dillmann: Was hat dich in deiner beruflichen Laufbahn geprägt?

Uli Mai: Ich hatte immer ein Interesse an alternativen Modellen, mit denen die Welt beschrieben wird. Die offiziellen kamen mir immer sehr defizitär vor, teilweise direkt falsch. Sie haben nicht das abgebildet, was ich wahrgenommen habe.

Nach meinem Studium kam ich in Kontakt mit der Arbeit von Wilhelm Reich, die ich als ganz wichtigen Baustein erkannt habe, um die Welt korrekter zu beschreiben. “Die Massenpsychologie des Faschismus” von ihm ist ein Werk, das die aktuellen Entwicklungen sehr gut erklärt. Reich hat sich mit den Blockaden im Energiesystem des Menschen beschäftigt. 

Der “normale” Mensch ist laut ihm heute komplett blockiert und gleicht deswegen eigentlich einem abgeschnürten Wurm, der zu den äußeren Autoritäten schaut: Mach, dass es mir besser geht, Mach, dass ich mich besser fühle. Und weil viele Menschen ihre eigene Gefühlsblockade nicht angehen oder ansehen wollen, werden unverarbeitete Emotionen wie Angst oder Wut dann auf andere projiziert, bis zum Mobbing, psychischer oder körperlicher  Gewalt.

Die Beschäftigung mit Reich hat mich zur Körpertherapie gebracht, in der „Grinberg Methode“ habe ich eine fundierte Ausbildung erfahren, wie man diese Blockaden lösen kann. Für mich ist Lebendigkeit gleich Wahrheit. Je mehr ein Mensch in Kontakt mit seinem inneren Selbst ist, also mit seinen Emotionen, desto weniger Verzerrungen da sind, desto mehr ist die Person in der Lage, die Welt klarer zu sehen und kohärenter zu handeln. In der Synthese habe ich dann die Astrologie gefunden, denn auch darin habe ich diese universelle Wahrheit wahrgenommen. Das ist mein Kriterium, diesen Pfaden folge ich.

Die Astrologie hatte ich zuerst als eine Art Freak-Hobby, in das ich mich jeden Tag stundenlang vertieft und mich darin weitergebildet habe. Ich wollte mich richtig in der Tiefe einarbeiten. Und es ist ein unglaublich komplexes Feld, es führt einen von psychologischen Deutungen, Typologien, Terminologien hin zu Himmelsmechaniken, Astrophysik, die ich in ihrer vollen Komplexität teilweise  auch nicht zu 100 Prozent verstehe.

Astrologie war für mich eine Synthese aus dem, was ich im geisteswissenschaftlichen Studium gelernt habe, und den Prinzipien aus der Körpertherapie: Menschen durch Selbsterfahrung wieder mehr zu ihrer inneren Lebendigkeit zu bringen. Nicht, weil ich etwas predige, sondern weil ich sie mit diesem Werkzeug dorthin führe. Zu einem Zugang zu ihrem authentischen Selbst. Heute bin ich nach wie vor Körpertherapeutin, mache Coaching auf astrologischer Grundlage, Horoskop-Deutungen und arbeite mit Gruppen und in Workshops, in denen ich Astrologie vermittle.

Was ist Astrologie?

Übersetzt heißt es: Die Sprache der Sterne. Das was wir an realen Himmelskörpern und -Phänomenen sehen können. Die Jahreszeiten und Mondphasen und auch das nicht Sichtbare, aber im Sonnensystem Vorhandene. Astrologie bezieht das ein und gibt ihm durch Übersetzung einen Sinn. 

Das Geburtshoroskop ist der Ausgangsmoment, sozusagen der Polaroid-Schnappschuss des Himmels in einer bestimmten Minute, die in diesem Fall niemals wiederkommt. Es gibt keine exakte Wiederholung von Aspekten, jedes Horoskop ist einzigartig. Dieses Horoskop-Bild kann man darin deuten, was es für die einzelnen Personen aussagen kann. In Zusammenarbeit mit der Person! Man diktiert nicht, gibt nicht vor, an was man glauben müsse. Das ist leider ein Missverständnis. Man muss nicht an Astrologie glauben. Sie ist ein Werkzeug, das man einsetzen kann, wenn es passt. Für die, für die es nicht passt: Kein Problem. Es gibt keinen Glaubenszwang.

Hast du ein Grundargument, wenn jemand die Astrologie anzweifelt und hinterfragt?

Eigentlich sage ich immer: Die Frage müsste umgekehrt sein. Die Frage müsste nicht sein „Warum sollte Astrologie funktionieren?“ oder „Warum sollten uns irgendwelche Planeten beeinflussen?“. Die Frage müsste genau umgekehrt gestellt werden: Warum sollten sie uns nicht beeinflussen? Wir leben in einem physikalischen System. Wir befinden uns im dritten Spiralarm unserer Galaxie, der Milchstraße, in einem Sonnensystem. Alles bewegt sich, steht in Beziehung zueinander, Schwerkraft, elektromagnetische und andere Wellen umgeben und beeinflussen uns. Die Astronomie findet immer mehr über diese Wechselwirkungen heraus. Natürlich werden diese nicht dahingehend interpretiert, dass sie irgendetwas für die Psyche oder den Charakter eines Menschen bedeuten könnten.

Es wird aber immer mehr enthüllt, wie stark diese Korrelationen und Beeinflussungen sind, auch wissenschaftlich nachweisbar. Wir bestehen zu 98% aus Sternenstaub. Wasser und Helium sind im Urknall entstanden. Das sind die beiden Urelemente, mit denen die Astrologie auch arbeitet. Unser Körper ist aus diesem kosmischen Ursprung zusammengesetzt. Auch die Sprache sagt es: Wir sind ein Körper, und es gibt Himmelskörper. Wir sind Körper auf einem Himmelskörper, um den lauter weitere Himmelskörper gruppiert sind. Warum in Dreiteufelsnamen sollte uns das nicht beeinflussen? Das ist die echte Frage.

Und man muss ja auch sagen: Die moderne westliche Welt ist die erste Zivilisation, die die Frage in dieser Weise umgedreht hat. Alle anderen Zivilisationen, von denen einige doch sehr viel nachhaltiger und langlebiger waren als unsere, die alle paar Jahrzehnte von verheerenden Krisen, Kriegen und Massenvernichtungen charakterisiert und auseinandergerissen wird, haben sich nach astrologischen Rhythmen und Zeichen gerichtet, teilweise ihren Alltag minutiös danach geplant.

Du sagtest, es geht dir um korrekte Weltbilder, die die Wirklichkeit beschreiben. Nun leben wir im post-faktischen Zeitalter, in dem konträre Weltbilder zu gesellschaftlicher Spaltung führen und sogar wieder über die Form der Erde gestritten wird. Was denkst du darüber?

Ich glaube, wir sind da mit etwas konfrontiert, das man die „Wiederkehr des Verdrängten“ nennen könnte. Allerdings nicht im Kontext von Freud, wo das Verdrängte eher negativ konnotiert ist. Ich würde sagen, es ist die Wiederkehr des kulturell Unterdrückten. Wir stehen vor einem riesigen Paradigmenwechsel.

Astrologisch ist das die Endphase des Fische-Zeitalters, in der wir uns befinden. Die großen Zeitalter werden nach der sideralen Position der Sonne bestimmt. Als die Sternzeichen vor ungefähr 2500 Jahren in ihrer Reihenfolge im Tierkreis festgelegt wurden, stand die Sonne zum Frühlingsanfang im Sternbild Widder. Von der Erde aus gesehen wandern die Fixsterne aber langsam und verändern ihre Position im Tierkreis. Sie haben sich mittlerweile so weit verschoben, dass die Sonne am 21. März in den ersten Fische-Graden steht. 

Astrologisch wechselt das Zeitalter, wenn die Sonne am Frühjahrspunkt in ein neues Zeichen tritt, und das nächste ist  Wassermann. Wir sind noch nicht da, es wird noch etwas dauern. Aber wir sind offensichtlich am Ende eines Zeitalters, das ungefähr mit Christi Geburt begann. Deswegen die Affinität des Christentums zu dem Symbol des Fisches (Ichthys), oder der “Menschen-Fischer”. Viele der Jünger Jesu waren ja vormals Fischer. In der Bibel gibt es diese Andeutungen der astrologischen Zeitalter und andere astrologische Symbolik.  

Wir sind am Ende dieses von den großen monotheistischen Religionen geprägten  Zeitalters. Die Bibel baute den Magier Simon, der eventuell das uralte spirituelle Wissen der Gnosis vertrat (das bis heute fehlgedeutet wird), als Gegenbild zu Jesus auf, und forderte den Tod für “Hexen”. 

Im Mittelalter wurde das weitergeführt, wo jede Art von alternativer Spiritualität oder Heilpraxis mit dem Tod oder Folter, Vertreibung und Unterdrückung bestraft wurde. Gerade in Europa sind wir durch diese Christianisierung schwer traumatisiert, unserer Naturverbundenheit und unseres Körperbewusstseins beraubt worden. Sogar am Himmel wurde das Göttlich-Weibliche ausradiert, das in den anderen Religionen in Form von Göttinnen verehrt wurde. Es gab nur noch den Vater und den Sohn. Wo sind Mutter und Schwester? Maria ist zwar da, aber keine Göttin, nur ein Gefäß für das Männliche. Das ist eine Verzerrung des natürlichen Gleichgewichts, die sich in Philosophie und Menschenbild abbildet und letztlich zu einer entseelten Welt geführt hat.

“Schläft ein Lied in allen Dingen
Die da träumen fort und fort,
Und die Welt fängt an zu singen,
Triffst du nur das Zauberwort.”

Nicht umsonst haben die Romantiker, wie von Eichendorff, gegen diese Entseelung aufbegehrt. Es gab immer wieder Reformbewegungen. Die Katharer im Mittelalter, die höfische Minne-Kultur, die Reformbewegung des frühen 20. Jahrhunderts, jede Renaissance wurde immer und immer wieder zerstört. Es ist ein ewiger Kampf. Es gibt ein Prinzip, das die Wahrheit zerstören möchte, dass der Mensch Teil der Natur ist. Die Weisheit des Körpers, seinen Schwerpunkt auf Liebe und Zusammenhalt. 

Die gesamte moderne Wissenschaft ist in den Dienst dieser „dunklen Macht“ getreten. Auch die Schulmedizin. Wir sehen es an der jahrzehntelangen Hetze gegen Heilpraktiker. Einfach nur aus purer Ignoranz und Bosheit. Es ist dieses Nicht-Ertragen anderer Weltmodelle von denen, die, um mit Wilhelm Reich zu sprechen, von einer Art emotionalen Pest befallen sind. Das sind Menschen, deren Lebensenergie besonders stark blockiert ist, und die sich mit der jeweiligen, diesen Mangel kompensierenden, Ideologie ihres Überlebensprogramms – des konditionierten Verstands/Egos – identifizieren.   Diese Menschen projizieren die Wut und den Schmerz über den eigenen, ihnen unbewussten Mangel an Lebendigkeit auf andere und versuchen sie als Feinde im Außen zu vernichten. Zur Zielscheibe werden Menschen, die Lebendigkeit ausstrahlen, die sich mit etwas Höherem verbunden fühlen, Minderheiten. Menschen mit einer Meinung, die eine heilige Kuh der jeweiligen Wissenssparte in Zweifel zieht, “Whistelblower”, Menschen, die Profite gefährden. Siehe der Haß, den jugendliche Klimaktivist:innen auslösen. Das ist rational nicht zu begründen – emotional aber schon. 

Zur Zeit stehen diese beiden Kräfte sich wieder als Extreme gegenüber. Und da das wahre Problem – nämlich, dass wir uns im Übergang aus einer lebens- und menschenfeindlichen Ideologie und Praxis von knapp 2000 Jahren in ein neues Paradigma befinden – nicht erkannt wird, gibt es eine Explosion von Meinungen, und alles von guten Beobachtungen und spannenden Analysen bis zu dreisten Lügen, Desinformation und völligem Wahnsinn in den normalen UND den alternativen Medien. Und sehr viel ausgelebte Spaltung, Verurteilung und Hass auf den “anderen”. Es kulminiert gerade alles in einem fast apokalyptischen Szenario. Aber Apokalypse bedeutet lediglich “Enthüllung”. 

Den Menschen fällt jetzt ihre anerzogene Tendenz auf, sich selbst, das Leben und die Natur zu dämonisieren. Das ganze Paradigma muss sich ändern, aber wir sind kurz davor. Ein Polsprung in unserem menschlichen Sein. Wir können das persönlich nutzen, um extreme Sprünge in unserem Bewusstsein und unserer Menschlichkeit zu erleben. Für diejenigen, die starke Angst vor Veränderung haben und sich dagegen sträuben, wird es schwieriger.

Du sagst, die Schulmedizin steht auf der Seite der „dunklen Macht“. Wie meinst du das?

Ich meine natürlich nicht die individuelle Praxis, oder individuelle Ärzte/innen. Da gibt es viele tolle Menschen. Sondern das System an sich, das Körper und Psyche voneinander trennt, aufspaltet, die Existenz einer Lebenskraft leugnet und das Leben auf kalte Formeln reduziert. Nicht, dass man Formeln nicht nutzen könnte, um bestimmte Aspekte der Realität zu beschreiben. Sie sind Hilfsmittel, aber man darf den Körper und den Menschen nie darauf reduzieren! Und das wird in der Medizin nicht gesehen, sogar geleugnet. Die ganze Gerätemedizin, Lobby-Gruppen und Pharmaindustrie, verhindern eine echte Auseinandersetzung mit dem Thema Gesundheit. Gesundheit ist nicht Abwesenheit von Krankheitssymptomen oder konforme Blutwerte. Gesundheit ist Vitalität, Freude, Kraft, Selbstbestimmtheit und erfüllte Beziehungen. Das definiert übrigens auch die UNESCO ähnlich, allerdings eher als Recht auf diese Dinge. Es gibt in dieser Welt aber ein solches Recht nicht – das muss sich jede/r Einzelne selber erarbeiten und sich dessen bewusst werden

Dunkel ist die Medizin auch in ihrem Umgang mit dem Tod, und dem Älterwerden. Mit Schwellenprozessen wie Geburt und eben Tod, oder Krise. Die reine Schulmedizin (natürlich gibt es in der Praxis viele Ausnahmen) behandelt Menschen wie Maschinen. Es gibt unzählige Fälle von Gewalt in diesem Kontext. Weil es kein Vertrauen in natürliche Prozesse des Körpers gibt, und kein Loslassen-Können. All das aus einer Fixierung auf mechanische Lebenserhaltung. Auf Kosten von Lebensqualität, Würde, sozialen Kontexten und Selbstbestimmung. 

Und lebensfeindlich und extrem unproduktiv dazu ist auch das totale Ignorieren des Nervensystems. Seit kurzer Zeit – in den USA schon etwas länger – kommen Therapien stark nach oben, die damit arbeiten. Wenn der Vagusnerv blockiert ist oder sehr schwach funktioniert, hat das gravierende Auswirkungen. Dieser Nerv geht von oben bis unten durch uns durch und steuert und innerviert das Leben – Herz-Rhythmus, Verdauung, verschiedenste Muskel- und Drüsenfunktionen – all das, wo die Schulmedizin nichts tun kann, weil sie es als funktionale Störungen oder Syndrome beschreibt, ohne Werkzeuge anbieten zu können. 

Das sind fast alles Resultate einer Störung im Nervensystem, die aus Traumata entstehen, meist frühkindlich. Und diese sind extrem verbreitet, viel mehr als wir uns bislang vorstellen können. Das kommt jetzt sehr stark nach oben, in Deutschland wird es aber immer noch nicht ernst genommen. Wir doktern nach wie vor an Symptomen herum, anstatt Menschen wirklich in ihre Lebendigkeit zurückzubringen. Dieses System verschwendet zudem noch unglaublich viel Geld, weil es nicht an die Wurzeln der Krankheiten geht, sondern zuallererst Lobby- und auch ideologische Interessen bedient. Das mechanistische Menschenbild, der Körper als Maschine, wo man an Schrauben dreht. Nichts könnte von der Wahrheit weiter entfernt sein. Gabor Maté und Joe Dispenza haben da z.B. sehr interessante Ansätze. 

Was hat Astrologie mit Gesundheit zu tun? Wie kann man sie verwenden, um die Gesundheit von Menschen zu fördern?

Es gibt eine klassische Abbildung, die sehr bekannt ist: Der Mensch im Tierkreis. Die Astrologie stellt ein System von Analogen dar. Eigentlich ist sie wie eine Tabelle mit unglaublich vielen Analogie-Spalten, die sich auf die ganze Welt und auch auf den menschlichen Körper erstrecken. Natürlich hat die Astrologie per se schon immer einen Bezug zur Medizin gehabt, da zu jedem Zeichen ein bestimmter Körperbereich gehört. Es gibt bestimmte Planeten- und Hauspositionen im Horoskop, die explizit der Gesundheit zugeordnet sind. 

Es gibt einen ganzen Astrologie-Zweig, die Astro-Medizin, die ein Überbleibsel der vormodernen Wissenschaft ist, bzw. des ganzheitlicheren Menschenbilds, das in allen uns bekannten Hochkulturen und auch in Europa bis in die Neuzeit vorherrschte.  Darin ist die Säftelehre, die sogenannte Humoralpathologie enthalten, wo man von vier Temperamenten (entsprechend den vier Elementen) ausgegangen ist und danach Neigungen zu bestimmten Krankheiten beobachtet hat. Alle vormodernen, traditionellen Systeme sind ganz ähnlich! Die ayurvedische Medizin aus Indien, die Herangehensweise der Maya oder der Tibeter. In Tibet konntest du nur Arzt werden, wenn du auch astrologische Kenntnisse hattest. Auf der ganzen Welt, auch in der westlichen und arabischen Welt bis in die Neuzeit, war Astrologie mit Medizin verbunden, weil sie eine Wissenschaft vom Menschen ist.

Ich persönlich praktiziere keine medizinische Astrologie. Ich gebe keine Diagnosen. Das liegt mir einfach nicht. Ich benutze die Astrologie als Werkzeug, um Menschen mehr in Resonanz mit ihrer inneren Wahrheit zu bringen, weil ich davon ausgehe, dass sie dann automatisch gesünder werden. Was natürlich nicht heißt, dass man nicht bestimmte Dinge medizinisch behandeln lassen sollte. Sowas würde ich nie behaupten. Als Grundlage von Gesundheit würde ich aber immer sagen: je glücklicher und erfüllter du bist, wenn du inspiriert durchs Leben gehst, deine eigenen Bedürfnisse, Rhythmen und ganz spezifischen Eigenheiten kennst und respektierst – desto gesünder bist  du. Letztlich: je mehr deine Lebenskraft deinen Körper durchströmt. Natürlich wird man trotzdem manchmal krank. Was ich sage, möchte ich nicht als moralischen Druck verstanden wissen.

Gehst du davon aus, dass Astrologie in einem Gesundheitswesen der Zukunft wieder der Standard sein wird?

Nein (lacht). Das ist ein zu großer Schritt. Ich kenne Leute im Gesundheitswesen, die schon vor Jahren gesagt haben, dass das System kurz vor dem Zusammenbruch steht. Es knirscht an allen Ecken und Enden. Aber so schnell kommt der Paradigmenwechsel nicht, dass in Zukunft wieder die Horoskope gelesen werden. Das wird noch deutlich länger dauern und vielleicht ist das auch gar nicht nötig. Es reicht schon, wenn man sich grundsätzlich wieder an einem positiveren Menschenbild ausrichtet.

Worin liegt die Quelle deiner Kraft? Was tust du, um gesund zu sein und zu bleiben?

Ich habe selbst lange Körpertherapie gemacht. Das würde ich auch jedem empfehlen: eine Praxis, die einem zu mehr Fühlen und Lebendigkeit verhilft. Was vielen unbewusst ist, ist die Wichtigkeit des Atems. Fast alle Menschen haben eine  ungesunde Weise, sehr flach zu atmen. Das hat nichts mit Atemtechniken zu tun, sondern mit der Tatsache, dass flaches Atmen einen vor intensiven Emotionen schützt. Wenn wir als Kinder mit überwältigenden Emotionen konfrontiert und allein gelassen werden, ist die einzige Möglichkeit, damit umzugehen, den Atem zu reduzieren. Leider reduzieren sich nicht nur Angst, Schmerz und Wut, sondern auch die Fähigkeit, uns selbst zu spüren, und unsere Lebensfreude im gleichen Maß. 99 % der Menschen laufen mit diesem flachen Atem durchs Leben, merken es aber nicht, weil es so „normal“ ist. Daran habe ich jahrelang gearbeitet, auch mit energiebasierter Kampfkunst und anderen Methoden. 

Das Allerwichtigste ist aber mehr Selbstliebe, Selbstakzeptanz, und innere Integration. Dass du also Bereiche deiner Persönlichkeit, die zu kurz gekommen sind, an die Hand nimmst und ihnen neue Wege zeigst. Am bekanntesten ist mittlerweile die Arbeit mit dem Inneren Kind, aber es ist auch der innere Monolog, die Art, mit sich umzugehen. Zu trainieren, Grenzen zu ziehen oder echte Nähe zu erlauben. Die meisten Menschen leiden unter sich immer wiederholenden Situationen und Gefühlen im Leben: das ist das Signal für einen nicht integrierten, stecken gebliebenen Teil, der Entwicklungshilfe braucht. Ich kann auch “Somatic Experiencing” sehr empfehlen, das ist eine sehr effektive Arbeit zur Integration auf Ebene des Nervensystems und hat mir sehr viel gebracht. Und sich selbst nicht nicht mit Zuschreibungen zu identifizieren, weder mit Diagnosen, mit Suchtproblemen oder sonstigen Identitäten. Sondern die eigene Lebendigkeit zu fühlen, und sich zu verbinden, mit anderen Menschen, mit der Natur, mit dem Universum.

Kannst du zum Abschluss eine astrologische Prognose für die Zukunft machen? 

Wir erleben eine extrem intensive Zeit, die sich in zwei Richtungen teilt. Zum einen gehen die alten Systeme, Strukturen und Seinsweisen zu Ende, werden in ihrer Korrumpiertheit entlarvt und krümeln einfach weg. Allerdings nicht ohne massive Widerstände! Das sind die Art, wie sich Nationalstaaten und Gesellschaften definieren, unsere Wirtschaftsordnung, Verwaltung, Gesundheitssysteme, etc. 

Und zum anderen beginnt eine völlig neue Zukunft, die deutlich mehr Eigenverantwortung vom Einzelnen fordert und gleichzeitig eine ganz neue Art zu kommunizieren, sich zusammenzuschließen, auf persönlicher Beziehungsebene wie auch in größeren Verbünden. Der Kern beider Entwicklungen wurde 2020 gelegt, mit dem Zusammentreffen mehrerer starker und seltener Zyklen. 

Die Bewegung der Planeten ist zyklisch. Jeder Planet steht für bestimmte Prinzipien und Themen; ihr Zusammentreffen oder ihre Konflikte lassen sich in diesem Licht als Neustarts oder Reibung der jeweiligen Themen deuten. Wenn man die Astro-Logie, also die Sprache der Sterne, ernst nimmt, dann kann man daraus ablesen, dass das Leben eigentlich zyklisch funktioniert. Wie die Jahreszeiten. Den ewigen Sommer zu wollen, führt zum Absturz des Systems Erde. Genauso wie das neuzeitliche Fortschrittsmodell, ein ständiges, lineares Voranschreiten. Wir sind gerade dabei, das kollektiv wieder zu begreifen.

Die Zyklen, die im Moment greifen, sind zum einen extrem revolutionär – wir haben Echos vom Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg Ende des 18. Jahrhunderts, und von den beiden großen Aufstands- und Unabhängigkeitsbewegungen in Mitteleuropa, 1848/49 und des Bauernkriegs.  Es wird sicherlich weltweit zu weitaus mehr Umbrüchen, Demonstrationen, Streiks, Aufständen, Coups und Freiheitsbewegungen kommen als wir seit langer Zeit erlebt haben. Es geht im Hintergrund um eine Neudefinition des Menschseins, wie wir miteinander umgehen, eine neue Ära von Aufklärung und Menschenrechten. Die wird uns aber nicht auf dem Silbertablett serviert werden, es gibt riesige Widerstände gegen eine menschlichere Welt. Diese Entwicklung ist aber m.E. nicht aufzuhalten; sie begann 1977 mit der Entdeckung des Menschlichkeits-Planeten Chiron, und wird gegen 2027/8 kulminieren. Wir sind sozusagen in einer kollektiven Pubertät, oder Midlife-Krise, einer Emanzipation von alten Autoriäten und Normen. Und das wiederum passt sehr gut dazu, dass immer mehr Menschen mehr in Kontakt mit sich selbst, ihrem Körper, ihren Gefühlen kommen. Dann gibt es ganz deutlich die Klarheit, dass bestimmte Normen oder Entwicklungen mit unserem Menschsein gar nicht kompatibel sind, und es eine grundlegende Veränderung braucht. 

Zwei weitere wichtige aktivierte Zeitebenen, die mir ehrlich gesagt etwas Sorge bereiten, sind 1939/40 und 1964/65. In beiden Fällen signalisierten diese Jahre den bevorstehenden Kriegseintritt der USA, einmal im 2. WK und einmal in Vietnam. Was wir aktuell sehen, mit den parallelen Spannungen an Krisenherden wie Ukraine, Balkan, naher Osten und China, stellt verschiedene Pulverfässer dar, die mit den “volatilen” Energien 2023-5 jederzeit hochgehen könnten. Die ganze Zeitspanne bis 2027 ist höchst unberechenbar, vor allem auch wenn Uranus ab 2025 in Zwilling tritt – Kommunikation, und auch Städte, wie wir sie kennen, werden revolutioniert werden. Im letzten Zyklus haben das die Luftangriffe auf Städte in England, Deutschland und ganz Europa sowie natürlich Hiroshima und Nagasaki erledigt. Dieses Mal werden eventuell ab dann küstennahe Städte überflutet bzw. Städte immer mehr unter der Klimaveränderung leiden. Wir werden, was die Verschiebung der natürlichen Kreisläufe, Jahreszeiten, Niederschlags- und Sonnenverteilung etc. betrifft, jedes Jahr in intensivere Dimensionen vorstoßen. Nicht erst Ende des Jahrhunderts, sondern jetzt und in den nächsten Jahren werden Klimasysteme total dereguliert. Das hat Auswirkungen auf alle Lebensbereiche, aber definitiv eben auf die Städte und auch auf die Ernährungssicherheit und auf die Art, wie wir Lebensmittel produzieren, was wir essen. Dennoch wird sich Geschichte, z.B. der 2. Weltkrieg, nicht einfach wiederholen. Wir haben spannenderweise eine exakte Opposition wichtiger Planeten zu ihrer Position von 1939/40; und wir befinden uns am Anfang eines neuen Zeitalters, nämlich eben Wassermann. Also einer in der höheren Frequenz von Menschlichkeit, Solidarität, und Eigenverantwortung geprägten Zeitalter. Gefahren sind Übertechnisierung, immer mehr Ersatz von Natürlichem durch Künstliches, technische Überwachung und Konformitätsdruck. Und die Natur wird uns absolut überraschen, im Schlimmen wie vielleicht auch im Positiven. 

Einen Vorgeschmack auf die Themen bekommen wir ab März diesen Jahres, und einen noch größeren Sprung dann 2025. Ich kann jedem/r raten, sich in Gemeinschaften zusammenzuschließen und zu überlegen, wo die eigenen Grundbedürfnisse herkommen. Neu zu denken, neue Möglichkeiten zu sehen. Zu überlegen, was würde ich tun, im Fall, dass plötzlich Krieg in Europa ausbricht. Oder die Supermärkte schließen. Wie kann ich kommunizieren, wer und was ist mir wichtig. Ohne zum eingebunkerten Prepper zu werden. Denn am Allerwichtigsten ist, Gleichgesinnte zu finden, Freundschaft und Unterstützung. Isolation funktioniert nicht in dieser neuen Welt. Und das ist das Tolle. Wir werden quasi zur Menschlichkeit gezwungen. Deswegen freue ich mich eigentlich auf die Zukunft… denn Freundschaft und Solidarität sind Werte, mit denen ich sehr gut d´accord gehe.

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