Aktuell sind viele Ängste im Umlauf

  • Die Angst vor dem Virus, also vor Krankheit und Tod
  • Die Angst vor der Impfung oder einem möglichen Impf-Zwang
  • Die Angst vor existenzieller Not, dem Verlust von Arbeit und Grundsicherung
  • Die Angst vor Freiheitsentzug und staatlicher Diktatur
  • Die Angst vor vor Spaltung von Gesellschaft, Familien und Freundschaften

Im Laufe der Corona-Zeit wurde eine weitere Angst deutlich: Die Angst, die eigene Meinung zu ändern. Es ist die Angst, sich womöglich geirrt zu haben.

Selbst Familienbande und Freundschaften können so tiefen Ängsten manchmal nicht standhalten. Viele Menschen haben Streitigkeiten und Spaltungen bis in ihre tiefsten Beziehungen hinein erlebt. Wollen wir diesen Ängsten wirklich erlauben, uns zu spalten? Ist das solidarisch? 

Wir kennen die Situation, dass wir uns Videos – vermeintlich sichere und wichtige Informationen! – hin und her schickten und sehnlichst erwarteten, dass der andere nun endlich die eigene Meinung teile. Wie oft hat diese Taktik funktioniert?

Viel zu oft fehlt die Frage: Wie geht es dir damit? Wie kommen wir über unsere Gefühle in einen Dialog? 

Und geht es nach zwei Jahren Ausnahmezustand wirklich noch um die „richtigen“ Informationen? Wäre es nicht sinnvoller, dass wir – auch in Krisenzeiten und Meinungsverschiedenheiten – verbunden bleiben und respektvoll, zugewandt und liebevoll miteinander umgehen?

Worum geht es eigentlich im Kern? Welche gemeinsamen Werte brauchen wir, um eine solche tiefe existenzielle Krise mit all ihren Spaltungen zu bewältigen?

Möglicher Ablauf

Trefft euch als Gruppe. Eine Person spricht, alle anderen hören zu. Im Abschluss können alle Rückmeldung geben. Die Person, die zuvor als einzige gesprochen hat, spricht nicht und hört nur zu. Im Anschluss sprechen alle anderen in der Gruppe nach demselben Muster, bis alle einmal dran waren. Im Anschluss gibt es, wenn gewollt, eine freie Gesprächsrunde.

Alternativ ist auch möglich, das Gesprochene komplett für sich stehen zu lassen. Keine Rückmeldungen, keine weiteren Diskussionen, keine hoch kochenden Emotionen. Verdaut und verarbeitet, was ihr gehört habt, und trefft euch gegebenenfalls zu einem späteren Zeitpunkt nochmal.

Eine Person sollte den Ablauf moderieren, also z.B. darauf achten, dass ihr euch gegenseitig ausreden lässt.

Herangehensweise/Fragen

Die Grundidee: Frage dein Gegenüber, wie er/sie sich die Lösung der Krise vorstellt, wie wir da rauskommen und wie es danach aussehen sollte und höre neugierig und geduldig zu. 

Überlegt euch eure Fragen, die ihr an die Gruppe habt vorher und notiert sie euch, oder lasst euch vom Gesprochen inspirieren. Sprecht mit ständiger Bezogenheit auf das, was eure Vorredner gesagt haben. Das bedingt ein aktives Zuhören, fördert die Empathie für den/die Anderen und das aufeinander eingehen.

Um vor dem Austausch dafür zu sorgen, dass alle mit dem gleichen Verständnis ins Gespräch gehen, könnte man sich auch an folgendem Modell orientieren:

  • Um was geht es in unserem Gespräch? Warum ist es wichtig, dass wir sprechen? Was ist der Sinn des Ganzen?
  • Wie führen wir das Gespräch durch? Auf welchen Prozess einigen wir uns?
  • Welchen Wert / Nutzen soll das Gespräch für jeden einzelnen haben?

Weitere unterstützenden Vorab-Fragen könnten im Gesprächsverlauf helfen:

  • An welchen Konflikt können wir uns erinnern, in dem wir uns respektvoll begegnet sind und in dem die Auseinandersetzung über ein Thema nicht dazu geführt hat, dass wir uns haben spalten lassen? Wie haben wir es dort geschafft, “gemeinsame Sache” zu machen?
  • Von welcher Etikettierung darf ich mich lösen (“Schwurbler”, „xy-Leugner“, “Schlafschafe”), um verallgemeinernde Verurteilungen zu vermeiden?
  • Was schätze ich am anderen (unabhängig vom Thema)? Kann ich das während des Gesprächs aufrecht erhalten?

 


Anmerkung: Isabel Scholz vom „Coaching-Circle“ hat mich hier über die Blaupausen-Idee und meine journalistische Arbeit interviewt

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